´s Brett im Schtoi - die Geschichte

 

Die Kleine Kunst im Dorfwirtshaus in Pfaffenhofen-Erbishofen


Für gewöhnlich sind die Dinge, die der Mensch in Bierlaune erfindet, nicht unbedingt die großen Würfe. Ausnahmen bestätigen die Regel. So auch hier: Zugegeben, die Idee war nicht direkt dem Bier zuzuschreiben, die hatte einer bei anderer Gelegenheit. Zur Vorbereitung seines runden Geburtstages im Dorfwirtshaus "Zur Linde" in Pfaffenhofen-Erbishofen bastelte der nämlich ins Eck des L-förmigen Saales eine kleine Diagonalbühne hinein, um seinen Gästen den Genuss der allfälligen kleinen Darbietungen zu erleichtern. Da saß er und dachte bei sich, dass diese Situation eigentlich für vielerlei Veranstaltungen, die er mit seinen Theaterfreunden vom Pfaffenhofener Liederkranz immer wieder an verschiedenen Plätzen inszenierte, gar nicht ungeschickt gewesen wäre. Die kleine Kunst im Dorfwirtshaus - das würde sich doch gar nicht schlecht anhören. Die Bühne bewährte sich dann tatsächlich bei diesem und anderen Geburtstagen und auch die Wirtsleute fanden Gefallen daran. Und irgendwann im Frühsommer 1994 saß jener "Vordenker" mit den rechten Leuten tatsächlich beim Bier und legte ihnen seine Gedanken dar und diese - Bier oder nicht Bier, das war keine Frage - fuhren voll darauf ab. Was schließlich daraus wurde, kann sich sehen lassen:

In 14 Jahren hat diese Aktion auf dieses "Brett im Schtoi" (Schtoi ist der in Pfaffenhofener Sängerkreisen seit Jahrzehnten gebräuchliche Spitzname der Dirr´schen Wirtschaft) rund 130 Veranstaltungen gebracht. Anfangs von Vielen als kurzlebige Spinnerei eingeschätzt, gelang es den heute zwei Dutzend Leuten der BiS - Macherei, mit einem vielseitigen Programm die "Kleine Kunst im Dorfwirtshaus" zu einem festen Kulturfaktor in Pfaffenhofen werden zu lassen. Der Anspruch, hauptsächlich heimischen Künstlern ein Forum zu bieten, wird nicht zu eng gesehen. Musiker, Schauspieler, Kabarettisten und sonst interessante Leute aus ganz Bayern und Württemberg lässt man locker als "heimisch" gelten, wenn sie gut sind und bezahlbar. Das Eintrittsgeld soll nämlich den schlichten ländlichen Verhältnissen angepasst bleiben. Dass das wirklich hinhaut und dass die Unternehmung ohne den Griff in öffentliche Kassen über die Runden kommt, liegt natürlich auch daran, dass die Betriebskosten gering gehalten werden. Die Macher arbeiten aus Spaß und umsonst. Sponsoren aus dem heimischen Wirtschaftsleben tragen einen Teil der notwendigen Werbekosten. Das technische Equipment des Liederkranz, als dessen Abteilung das ganze fünf Jahre betrieben wurde, erleichterte den Start. Seit Herbst 1999 ist die Kulturinitiative ein vom Liederkranz einvernehmlich geschiedener Eingetragener gemeinnütziger Verein.

Dass ohne Publikum mit all dem kein Staat zu machen wäre, ist klar. In vierzehn Programmjahren waren es rund 15 000 Gäste. Dass das "Brett im Schtoi" seinem 15. Programmjahr noch möglichst viele folgen lassen will, ist hauptsächlich damit zu erklären, dass es immer noch und immer mehr Gäste gibt, die offensichtliche Freude an diesem ungewöhnlichen nichtkommerziellen Kulturbetrieb haben.

Seit elf Jahren ist außerdem die Idee realisiert, zu den Veranstaltungen den Saal heimischen Künstlern als Galerie einzurichten. Auch daran haben Künstler wie Gäste gleichermaßen anhaltende Freude. Und wenn die Macherei selber Theater spielt und der Bürgermeister als Mitmacher auf der Bühne agiert, erleben die Leute von Pfaffenhofen und weit drum rum auch mit dieser Art Selbstsponsoring Dorfkultur pur. Der Spaß im ländlichen Bratwurst-Musentempel hält an.

Ob und wie es allerdings weiter geht, wenn diese gastliche Stätte ab nächstem Jahr nicht mehr genutzt werden kann, ist momentan noch ziemlich ungewiss. Soweit also bis 2009.
                                                                                       
Jetzt, fünf Jahre später, wissen wir das natürlich:

Nach den Auszug aus dem Dorfwirtshaus haben wir das Angebot der Familie Mack genutzt und uns in ihrem ehemaligen Kuhstall eingerichtet. Die Sorge, dass unser Publikum sich vielleicht nicht an ein BiS-Leben ohne Wirtshaus gewöhnen könnte, hat sich als unbegründet erwiesen. Dass der Stall für einen Winterbetrieb nicht geeignet ist, velangte neue Ideen. Die Aula der Hermann-Köhl-Schule, die Stetter’sche Backstub und auch die evangelische Kirche sind von den Gästen angenommen worden und das Historische Theater in Weißenhorn sowieso.
Der Zulauf der Gäste und die Begeisterung der Macher halten unvermindert an.

Mit einer personalen Erweiterung - knapp 30 Leute zählt der Verein
jetzt - war es zu schaffen, eine eigene kleine Pausengastronomie zu organisieren. Mit Hilfer der Eintrittsgelder unseres treuen Publikums und externer Freunde haben wir es zu einer brauchbaren Bestuhlung gebracht und und können zumeist auch mit angenehmen Temperaturen aufwarten. Die künstlerische Ausgestaltung des Raumes ist noch nicht abgeschlossen. Die ambitionierte Zuarbeit der Familie Mack und die angenehme Zusammenarbeit mit ihr sind uns eine wertvolle Hilfe.

So können wir zum Ende des 20. Programmjahres feststellen, dass wir in dieser Zeit
bei 259 Veranstaltungsterminen 28 558 Gäste begrüßen durften.

Das Programmjahr 2014/15 läuft, die Programmplanungen bis 2017 sind „in der Mache“
und die Zahl der Anfragen interessierter Künstler ist immer noch um vieles größer, als wir unterbringen können. Wir dürfen also annehmen:

Die Zeichen für ein längeres BiS-Dasein stehen nicht schlecht.